Aufzucht von Stecklingen und Ablegern


Hohe Luftfeuchtigkeit und Bodenwärme sind grundlegend für beste Erfolge bei der Vermehrung von Stecklingen. Um eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erzeugen, stülpt man über den Topf oder über die Schale mit den Stecklingen eine dichte, aber lichtdurchlässige Haube - zum Beispiel eine Platiktüte. Diese hoch mit Feuchtigkeit gesättigte Luft ermöglicht es dem Steckling, seine Blattverdunstung zu reduzieren: ihm fehlen noch die Wurzeln, um für ausreichenden Wassernachschub zu sorgen!

Die geringe Luftmenge unter der Haube läßt sich einfach sättigen, indem man das Erdreich stets gleichmäßig feucht hält. Plastikhaube und Blätter der Stecklinge sollen sich nicht berühren - Fäulnisgefahr! Man kann die Haube zum Beispiel mit einem Drahtbogen abstützen, dessen zwei Enden in der Erde stecken. Oder vier gleich lange Blumenstäbe in den Topf stecken und darüber die Plastiktüte ziehen. Die Folie am Topf befestigen.

Stecklinge durch Blätter Stecklinge durch Kopfstecklinge
Von manchen beliebten Zimmerpflanzen genügt schon ein einziges Blatt als Grundstock für eine vollständige neue Pflanze. Das bekannteste Beispiel für diese Vermehrungsart ist das Usambaraveilchen mit seinen samtig behaarten Blättern; es geht auch bei anderen Pflanzen wie Begonie, Sansevierie und Drehfrucht (Streptocarpus).

Man trennt die Blätter von der Mutterpflanze ab (sie lassen sich auch einfach mit einem leichten Ruck abreißen) und schneidet die Stielenden glatt. Ein normal großer Blumentopf wird fast bis zum Rand mit einem Gemisch aus halb Sand, halb Blumenerde gefüllt. Beim Stecken darauf achten, daß der Stengel nicht zu weit in das Vermehrungssubstrat hineingerät.

Nach dem Stecken das Substrat durchdringend gießen. Dadurch wird die Erde auch dicht an die Stiele herangespült. Überschüssiges Wasser abtropfen lassen! Mit Hilfe einer Plastikhaube für gesättigte Luft sorgen. Sorgfältig darauf achten, daß das Sand-Erde-Gemisch nie völlig austrocknet. Da für die Wurzelbildung gleichmäßige Wärme (20 bis 25 Grad Celsius) von unten äußerst fürderlich ist, kann die Anschaffung eines Bodenheizmatte vorteilhaft sein. Man kann die Töpfe auch über die Heizung stellen (eventuell eine Styroporplatte darunterlegen). Wenn sich Wurzeln gebildet haben, beginnen neue Blättchen zu wachsen. Jetzt kommt jeder Steckling einzeln in einen Topf und wird wie die Mutterpflanze weitergepflegt.

Für diese Vermehrungstechnik schneidet man die Spitzen von Trieben oder Seitensprossen ab, meistens mit drei bis vier Blättern oder Blattpaaren. Die unteren Blätter werden mit Stiel entfernt, da weiche Blätter schnell faulen. Den StengeI dicht unter einem Blattknoten anschneiden.

Kopf oder Triebstecklinge mancher Pflanzen wie Efeu, Fleißiges Lieschen und Tradeskantie bewurzeln sich auch leicht in Wasser. Im Topf in feuchtes Sand-Torfgemisch gesteckt, muß man durch feines Überbrausen der Erde dafür sorgen, daß diese dicht an die Stengel herangespült wird. Plastikhaube, heller Standort und Bodenwärme fürdern Wurzelbildung. Vermehrung im Frühjahr oder nach Rückschnitt der Pflanzen.

Der GrowStar-Tip: Steinwollwürfel und Wurzelhormon
Gehen Sie normal vor, wie im ersten Teil für Kopfstecklinge. Stellen Sie die Stecklinge für etwa eine halbe Stunde, mit den Stiel etwa 1cm tief in ein Gefäß mit Wasser und Wurzelhormon (im gut sortierten Gartenfachgeschäft erhältlich), oder bestreichen Sie die Schnittstellen und etwa 1cm des Stiels mit einem Stecklingsgel oder einem Hormon-Präparat in flüssiger Form (auch Pulver). Stecken Sie die Stecklinge dann mit dem Stiel in Steinwollwürfel, die Sie zuvor mit einer schwachen Nährlösung (EC-Wert 5-10, Ph-Wert 5,8) getränkt haben. Dann weiter, am besten im mini Gewächshaus, wie oben beschrieben. Die weitere Aufzucht funktioniert in Hydro-Systemen oder Steinwolle ideal, und ist auch problemlos in Erde möglich.
Stecklinge durch Abmoosen Stecklinge durch Ausläufer
Diese häufig erprobte, bewährte Vermehrungspraxis empfiehlt sich vor allem für hochwachsende Zimmerpflanzen. Allen voran natürlich Gummibaum und Philodendron. Man kann es aber auch bei Drazäne und Cordyline versuchen. Das Abmoosen hat eigentlich nichts anderes zu bewirken als die Bewurzelung des Kopftriebes einer zu hoch gewachsenen, älteren Zimmerpflanze. Rinde anritzen, Moos drumwickeln, angießen. Plastikhülle umlegen Der erst waagerecht und dann schräg nach oben geführte Schnitt durch eine Hälfte des Stammes reizt das verletzte Gewebe zur Wurzelbildung. Andererseits wird der Kopftrieb auch weiterhin von der Stammpflanze versorgt. Damit die Schnittflächen nicht wieder zusammenwachsen, fügt man am besten ein Stück Alufolie dazwischen (es geht auch ein flaches Steinchen). Danach diese Schnittstelle in feuchtes Moos oder in Torf einpacken. Eine dicke Lage Papiertaschentücher tut es auch. Die Bewurzelung dauert mindestens sechs Wochen, als besten Termin empfehlen wir die warmen Sommerwochen. Grünlilie und Steinbrech gehören wohl zu den bekanntesten Vertretern der Zimmerpflanzen, welche entweder an den Blütentrieben oder an fadendünnen Ausläufern Tochterpflanzen bilden. Man kann diese Ausläufer abnehmen und zur Bewurzelung in einen kleinen Topf mit feuchter Erde setzen. Unter Folienabdeckung treiben sie schon bald Wurzeln. Auch möglich: Ausläufer zunächst mit Drahtklammer in der feuchten Erde eines Topfes festhalten und sie erst abtrennen, wenn eigene Wurzeln vorhanden sind.
Stecklinge durch Blatteile Stecklinge durch Teilung
Bereits die dicken, fleischigen Blätter des Bogenhanfs weisen darauf hin, wie robust diese Zimmerpflanze ist. Genauso einfach wie ihre Pflege gestaltet sich auch die Vermehrung. Eine der Möglichkeiten, und zwar die aus Blattstücken, bringt zwar gleich mehrere Pflanzen. Aber vielleicht auch eine herbe Enttäuschung: Der durch Blatteile vermehrte Bogenhanf fällt nämlich immer in die quergebänderte gröne Ursprungsart zurück. Die Vererbung des geIben Randes erfolgt nur, wenn die Jungpflanze aus einem Rhizomstück (=Wurzelstück) wächst. Die Blattabschnitte der Sansevieria kommen so weit in das feuchte Sand-Torf Gemisch, daß sie gut Halt finden und nicht umfallen. Bei Bodenwärme um 20 Grad Celsius bewurzeln Teilstücke am sichersten. Jungpflanzen einzeln in Töpfe setzen. Die einfachste Art, zu mehreren Pflanzen zu kommen. Da jeder Teil schon eigene Wurzeln besitzt, kann man dies fast zu jeder Zeit vornehmen. Auf alle Fälle immer dann, wenn ein Verpflanzen sowieso ansteht. Vermehrung durch Teilung empfiehlt sich nur bei solchen Zimmerpflanzen, die mehrere Stiele oder Blattbüschel bilden. Dazu zählen zum Beispiel der Bogenhanf, die Schusterpalme, die Grünlilie. Oft sitzen beim Gärtner gekaufte kleinblättrige oder rankende Pfanzen gleich zu mehreren in einem Topf, damit sie etwas fülliger wirken. Muß man diese verpflanzen, kann man auch gleich teilen. Größere Schnittstellen mit Holzkohlestaub (vom Grill) einpudern, um Fäulnis zu vermeiden.

Muselmann SpezialLampen



(msl Home)


$Revision: 1.5 $ $Date: 1997/07/19 15:41:08 $